Girocard und Kreditkarte: welche Gebühren wirklich anfallen
6 Min. Lesezeit · veröffentlicht 12. Juni 2026 · aktualisiert 01. September 2026
Worin unterscheiden sich die Gebühren für Girocard und Kreditkarte?
Girocard-Zahlungen kosten deutsche Betriebe je nach Anbieter zwischen 0,60 und 1,40 Prozent des Umsatzes, Kreditkartenzahlungen zwischen 1,40 und 1,95 Prozent. Da die Girocard in Gastronomie und Einzelhandel rund 70 Prozent der Kartenumsätze ausmacht, entscheidet in Deutschland fast immer der Girocard-Satz über die Gesamtkosten – nicht der Kreditkartensatz, mit dem Anbieter gern werben.
Datenstand: Die angezeigten Konditionen sind Platzhalterwerte aus der Entwicklungsphase und nicht mit den offiziellen Preislisten abgeglichen. Sie zeigen die Systematik des Vergleichs, taugen aber nicht als Grundlage für eine Vertragsentscheidung.
Woraus sich eine Kartengebühr zusammensetzt
Jede Kartenzahlung besteht aus drei Kostenbestandteilen. Das Interbankenentgelt geht an die kartenausgebende Bank und ist innerhalb der EU gedeckelt: 0,2 Prozent bei Debitkarten, 0,3 Prozent bei Kreditkarten. Das Systementgelt geht an Girocard, Mastercard oder Visa. Der Rest ist die Marge des Zahlungsanbieters.
Die meisten Anbieter für kleine Betriebe fassen alle drei Teile zu einem Pauschalsatz zusammen. Das ist einfacher zu verstehen, aber teurer als die Alternative: Bei Interchange++ werden die Bestandteile einzeln ausgewiesen, wovon vor allem umsatzstarke Betriebe profitieren.
| Kartenart | Prozentsatz | Fixbetrag je Zahlung | Anteil am Kartenumsatz |
|---|---|---|---|
| Girocard | 0,60 – 1,40 % | 0,00 – 0,10 € | rund 70 % |
| Mastercard / Visa (EU) | 1,40 – 1,95 % | 0,00 – 0,11 € | rund 25 % |
| Karten außerhalb der EU | 2,50 – 3,50 % | 0,00 – 0,15 € | rund 5 % |
Warum der Girocard-Satz in Deutschland entscheidet
Deutschland ist unter den großen europäischen Märkten der mit dem höchsten Debitkartenanteil. In der Stadtteilgastronomie und im Nahversorgungshandel liegt der Girocard-Anteil regelmäßig bei über 70 Prozent, in touristisch geprägten Lagen und im Finanzsektor deutlich darunter.
Für die Anbieterwahl heißt das: Ein Anbieter mit 1,69 Prozent Kreditkartensatz und 0,79 Prozent Girocard-Satz ist bei typischem deutschen Kartenmix günstiger als einer mit 1,40 Prozent Kreditkartensatz und 1,30 Prozent Girocard-Satz – obwohl die Kreditkartenwerbung das Gegenteil nahelegt.
- Bei 12.000 Euro Kartenumsatz und 70 Prozent Girocard-Anteil kostet ein um 0,2 Prozentpunkte besserer Girocard-Satz rund 200 Euro im Jahr.
- Derselbe Unterschied beim Kreditkartensatz macht nur rund 86 Euro im Jahr aus.
- Wer den eigenen Kartenmix nicht kennt, findet ihn in der Monatsabrechnung des bisherigen Anbieters.
Wo die versteckten Kosten sitzen
Der beworbene Prozentsatz ist selten die ganze Rechnung. Aufschläge entstehen bei Karten von außerhalb des europäischen Wirtschaftsraums, bei Firmenkarten und bei manuell erfassten Zahlungen ohne physische Karte.
Dazu kommen Posten, die nicht pro Zahlung anfallen: Einrichtungsgebühren, Servicepauschalen, Gerätemiete und in manchen Verträgen eine Mindestumsatzpauschale, die greift, wenn der Kartenumsatz unter einen Schwellenwert fällt.
- Auslandskarten: Aufschlag von 1 bis 2 Prozentpunkten ist marktüblich
- Firmenkarten: nicht von der EU-Deckelung erfasst, deshalb teurer
- Mindestumsatzpauschale: greift in schwachen Monaten und ist leicht zu übersehen
- Chargeback-Gebühr: 10 bis 25 Euro je Rückbuchung, unabhängig vom Ausgang
Häufige Fragen
In Deutschland fast immer, weil das Interbankenentgelt für Debitkarten niedriger gedeckelt ist. Ausnahmen gibt es bei Anbietern mit internationalem Fokus, die alle Kartenarten zum selben Satz abrechnen – dort kann die Girocard sogar teurer sein.
Bei Karten, die unter die EU-Deckelung fallen – also die allermeisten Giro-, Debit- und Kreditkarten von Privatkunden –, ist ein Aufschlag in Deutschland nicht zulässig. Ein Mindestbetrag für Kartenzahlung ist dagegen erlaubt, wenn er vorher sichtbar ausgewiesen wird.
Bei Interchange++ werden Interbankenentgelt, Systementgelt und Anbietermarge getrennt ausgewiesen statt pauschaliert. Das ist transparenter und bei hohem Volumen günstiger, macht die Abrechnung aber komplexer. Als grobe Schwelle gilt ein Kartenumsatz ab etwa 30.000 Euro im Monat.